Marktbericht 2011 (Download)
Wohnimmobilienmarkt Köln und Umland
Teils über zehn Prozent höhere Immobilienpreise und Mieten in Köln sowie in Nachbarorten
Allgemeine Lage: Die Baukräne nehmen in Köln aber nicht den Druck aus dem Kessel: Die Nachfrage nach selbst genutzten sowie vermieteten Immobilien als Anlageform ist seit der Wirtschaftskrise ungebrochen hoch und derzeit um etwa 20 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Die Menschen haben Angst vor Inflation und Euro-Krise. Sie misstrauen Akti-en und Fonds und investieren stattdessen in inflationssicheres und risikoarmes „Betongold“.
Die Folge: Die Immobilienpreise stiegen in Köln sowie dem direkten Um-land in den zurückliegenden Monaten an: In der Domstadt kletterten bei-spielsweise die Preise für freistehende Eigenheime in guten Lagen wie in Sürth, Weiden, Weiß oder Zündorf von durchschnittlich 325.000 Euro auf 360.000 Euro (11 Prozent). Dies geht aus dem Immobilien-Marktbericht 2011 der Kölner Immobilienbörse (KIB) hervor. Darin sind aktuelle Preise und Mieten für Köln sowie 19 Umlandgemeinden aufgeführt. In dem KIB-Branchennetzwerk sind 47 regional tätige Immobilienmakler und Verwalter aus 17 Firmen zusammengeschlossen.
Das Angebot wird weiter verknappt, weil viele Menschen, die eine Wohnung oder ein Haus verkaufen wollen, davon Abstand nehmen, da sie nicht wissen, wie sie den Erlös aus dem Verkauf anlegen sollen.
So kommt es, dass die Zahl der zum Verkauf stehenden Objekte etwa 30 Prozent geringer ist als vor zwei Jahren.
Knappes Wohnungsangebot, steigende Mieten. Das knappere Woh-nungsangebot spüren auch viele Mieter. Ein Großteil der geplanten und gebauten Wohnungen sind Eigentumswohnungen, Mietwohnungen sind nur wenige dabei. Entsprechend sind auch die Wohnungskaltmieten in den zurückliegenden Monaten gestiegen. In guten Lagen Kölns wie in Bayenthal, Ehrenfeld, Nippes oder Weidenpesch kletterten sie in den ver-gangenen zwölf Monaten von 7,95 auf 8,50 Euro (7 Prozent).
Im Neubau-Erstbezug in Spitzenlagen wie in Marienburg, Lindenthal oder Rheinauhafen stiegen die Kaltmieten gar um zwölf Prozent, von 12,50 auf 14 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.
Ähnlich ist das Bild in vielen Städten der Region: so stiegen die Woh-nungsmieten beispielsweise in Bornheim, Erftstadt, Frechen, Brühl, Pul-heim und Siegburg – je nach Ort und Lage – zwischen fünf und neun Prozent. Um bis zu 14 Prozent stiegen die Mieten in Hürth und Leverku-sen: In Hürth kletterten sie in mittelguten Lagen von fünf auf 5,70 Euro, in der Chemiestadt stiegen sie in sehr guten Lagen von sieben auf acht Euro.
„Von den 19 untersuchten Umlandgemeinden gaben die Mieten lediglich in Bergheim und Elsdorf leicht nach (2 bis 5 Prozent), in Mechernich waren sie stabil. In allen anderen Orten gingen die Mieten nach oben“, fasst KIB-Vorsitzender Alfred Kirch zusammen.
Grunderwerbsteuer-Erhöhung könnte Nachfrage weiter anstacheln. Die Landesregierung plant, ab Anfang Oktober die Grunderwerbsteuer von 3,5 Prozent des Immobilienkaufpreises auf fünf Prozent zu erhöhen. Dies könnte in den Wochen bis zu diesem Termin die Nachfrage weiter anstacheln, vor allem in ländlichen Gebieten, wo die Immobilienauswahl größer ist. „Wir glauben aber nicht, dass sich dies auf die Immobilienpreise auswirkt. In Hamburg und Berlin wurde diese Steuer vor zwei Jahren er-höht und wirkte sich nicht auf die Preise aus“, prognostiziert KIB-Sprecher Roland Kampmeyer.
Auch im Umland steigen seit einem Jahr die Immobilienpreise. Waren 2009 und 2010 nur Köln sowie direkte Umlandgemeinden von Preissteige-rungen betroffen, werden mittlerweile auch Kommunen im weiteren Um-feld tangiert: Von wenigen Ausnahmen mit zurückgehenden Preisen ab-gesehen (wie Kerpen, Elsdorf), waren Mieten und Immobilienpreise in ei-nigen Städten stabil; in den meisten Gemeinden aber stiegen sie. So klet-terten die Preise für freistehende Einfamilienhäuser zwischen Anfang 2010 und Anfang 2011 beispielsweise in Bergisch Gladbach (3 Prozent), in Pulheim (5 bis 10 Prozent) sowie in Rösrath, Sankt Augustin und Sieg-burg (je 2 Prozent).
Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich auch bei Reihenmittelhäusern und Doppelhaushälften: „Je nach Ort und Lage stiegen die Preise zwischen zwei und zehn Prozent, so etwa in Brühl, Erftstadt, Frechen, Leverkusen, Pulheim und Wesseling“, ergänzt der stellvertretende KIB-Vorsitzende Dieter Temme. In Köln muss man für ein solches Haus an einem guten Standort wie Brück, Rath oder Sürth etwa 250.000 Euro einrechnen. In Bergheim muss man 155.000 Euro kalkulieren, in Bornheim, Frechen, Sankt Augustin und Siegburg 210.000 und in Euskirchen 130.000 Euro.
Im Gegensatz zu Familienhäusern und Wohnungsmieten sind die Preise für Eigentumswohnungen in den Kölner Umlandgemeinden überwie-gend stabil, so beispielsweise in Erftstadt, Euskirchen und Mechernich. Zwischen zwei und fünf Prozent gaben sie teilweise in Elsdorf und Kerpen nach. In Bergisch Gladbach sanken die Preise für unsanierte Eigentums-wohnungen um bis zu sechs Prozent. „Je größer die Städte sind und je näher sie an Köln liegen, umso eher waren sie jedoch vom Sog der Kölner Preissteigerungen betroffen“, so KIB-Mitglied Günter Starck. Zwischen vier und elf Prozent stiegen demnach die Quadratmeterpreise für Wohnungen in Leverkusen, Frechen, Pulheim, Rösrath, Sankt Augustin, Siegburg und Wesseling.
Wohnungspreise in Köln um bis zu 16 Prozent gestiegen. In der Dom-stadt stiegen die Preise für Eigentumswohnungen in allen Segmenten. So muss man für gebrauchte Wohnungen in guten Lagen wie in Deutz, Jun-kersdorf, Neuehrenfeld oder Sülz anstatt 2.250 Euro derzeit 2.500 Euro einrechnen (11 Prozent). Im Neubau-Erstbezug kosten hier Wohnungen im Schnitt 2.900 Euro (9 Prozent). In sehr guten Lagen wie im Agnesvier-tel, Lindenthal oder der Südstadt kletterten die Quadratmeterpreise in Ge-brauchtwohnungen um zwölf Prozent auf 2.900 Euro; im Neubau-Erstbezug gar um 16 Prozent auf 4.750 Euro.

